Lyrik, Politik und Religion.

Judentum

Verschiedene jüdische Traditionen bedenken den Umgang der Menschen mit der sie umgebenden Welt. Dazu gehört das Shabbatjahr, was in Anlehnung an die Schöpfungsgeschichte alle 7 Jahre vollzogen wird. In diesem Jahr ruhen die Felder und werden weder bepflanzt noch abgeerntet. Es ist ein Ruhejahr für das Ackerland.

Das Judentum kennt verschiedene Neujahrsfeste, darunter auch das Neujahr der Bäume. Zu diesem Fest werden neue Bäume gepflanzt. Dem israelischen Klima entsprechend findet es im Januar oder Februar statt, in Deutschland werden symbolisch Bäume umgetopft. Das Fest feiert die Verbundenheit von Gott, Menschen und Natur. In der Tora heißt es: "Wenn ihr das Land in Besitz nehmt, sollt ihr Obstbäume pflanzen" (3. Buch Mose 19,23).

Die Frage nach dem Umgang mit dem Land spielt in der Tora, der jüdischen Schrift, eine zentrale Rolle. An einer Stelle heißt es, dass Menschen die Erde nicht vollständig in Besitz nehmen dürfen: "Das Land darf nicht unwiderruflich verkauft werden, denn mir gehört das Land, und ihr seid Fremde und Leute mit Bleiberecht bei mir." (Lev 25,23)

In den jüdischen Auslegungen zur Tora steht folgende Geschichte: "Eines Tages befand er sich auf dem Wege und sah einen Mann einen Johannisbrotbaum pflanzen. Da fragte er ihn: Nach wieviel Jahren trägt er? Jener erwiderte: Nach siebzig Jahren. Dieser fragte weiter: Bist du überzeugt, daß du noch siebzig Jahre leben wirst? Jener erwiderte: Ich habe Johannisbrotbäume auf der Welt vorgefunden; wie meine Vorfahren für mich pflanzten, ebenso will ich für meine Nachkommen pflanzen." (Ta'anit 23a:15).

Christentum

Im Oktober wird zum Ende der Erntezeit das Erntedankfest gefeiert. Dazu werden Erntegaben zum Altar gebracht, die anschließend gefeiert werden. Wichtig ist, Gott für die Ernte zu danken und zu bedenken, dass nicht alles durch menschliche Hand geschieht. 

Insbesondere die katholische Kirche kennt naturnahe religiöse Riten wie die Segnung von Heilkräutern am 15. August, dem Tag von Mariae Himmelfahrt, oder das Knüpfen von Blumenteppichen zum Fronleichnamfest.

1983 wurde beim Ökumenischen Rat der Kirchen der konziliare Prozess um "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" angestoßen. Dieser Prozess nimmt sowohl soziale und humanitäre Krisen als auch die ökologische Bedrohung ernst und ruft zu entschlossenem Handeln auf.